Der Altdeutsche Schäferhund


In den letzten Jahren erfreut sich der langstockhaarige Schäferhund immer grösserer Beliebtheit. Sein Aussehen hebt sich deutlich vom stockhaarigen ab. So wirkt er durch sein langes Fell kräftiger, ohne die Merkmale eines Deutschen Schäferhundes zu verlieren. Schon als Welpe wirbt er für sich durch seine knuddelige Form und Lebhaftigkeit. Es ist ein Vergnügen, ihn herumtollen zu sehen. 
Beim langstockhaarigen Schäferhund fällt zudem auf, dass seine Rückenlinie weniger schräg nach hinten abfällt als bei den meisten stockhaarigen. Die Hinterhand ist nicht so übertrieben gewinkelt, dass die Rückenlinie im Stand sehr schräg nach hinten abfällt. Die Rückenlinie des Langstockhaarigen verläuft wesentlich waagerechter, ohne dass die Hinterhand steil entwinkelt ist. Die Art der Hinterhandwinkelung beim Stockhaarigen soll angeblich wegen der Leistungsfähigkeit als Gebrauchshund eine Rolle spielen. Der Langstockhaar-Schäferhund aber ist ebenso als Wach- und Gebrauchshund geeignet, wie er es insbesondere als Rettungshund in den verschiedenen Rettungsstaffeln bewiesen hat.
Um den Unterschied zwischen dem Langstockhaarigen und dem Altdeutschen darzustellen, muss man weiter zurückgreifen. Im Volksmund wird die Langhaarvariante des Deutschen Schäferhundes als Altdeutscher Schäferhund bezeichnet. Die Entstehung dieser Variante liegt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, als man aus zwei verschiedenen Schlägen, dem Alt-Thüringer-Schäferhund und dem Alt-Württemberger-Schäferhund, eine neue Hochzucht aufbaute. 
Der Thüringer war klein, untersetzt, sehnig mit Stehohren und wolfsgrauer Färbung, voller Aktivität und Nerv. Der Württemberger war mit einer besseren Rute, kräftigen Knochen, einer guten Hinterhandwinkelung und einem guten Gangwerk ausgestattet, jedoch fehlte ihm das erwünschte Stehohr. Die daraus hervorgegangenen Verbindungen waren von unterschiedlicher Größe und Haarlänge. 1899 wurde die gelenkte Zucht eingeleitet. Es wurde ein Rassestandard erstellt. Leider blieb der langstockhaarige Schäferhund dabei auf der Strecke. Es wurde nur der stockhaarige vorangetrieben. Trotz jahrzehntelanger Selektion ist es dem SV nicht gelungen, das Langstockhaar auszumerzen. Der Langstockhaar-Schäferhund stammt also genau wie der Deutsche Schäferhund von den Hütehunden ab. 

Heute verstehen wir als Zuchtverein unter dem reinerbigen Altdeutschen Schäferhund diejenige Variante des Langstockhaar, die seit mindestens vier Generationen nachweislich langstockhaarige Vorfahren besitzt. Sein Rassestandard entspricht dem des Deutschen Schäferhundes mit Ausnahme der Haarlänge.

 © Heinrich Gepert